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Unser schlechtes Gewissen

Es liegt in der Natur des Menschen, dass er immer wieder in Situationen gerät, wo er sich einredet, ein schlechtes Gewissen haben zu müssen.

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Sei es, weil man zur älteren Nachbarin heute Morgen mürrisch war, ob man vergessen hat, der Tochter die Turnsachen bereitzustellen obwohl man es versprochen hat, ob man durch die viele Arbeit einfach nicht die Zeit und Energie hat, seine Eltern im nächsten Dorf zu besuchen oder ob man abends mit dem Partner Streit hatte, kaum geschlafen hat und sich jetzt fragt, was für Konsequenzen daraus wohl entstehen.

Doch meist macht man sich viel zu viele Gedanken, denn wenn man später mit den „Betroffenen“ spricht, stellt sich heraus, dass diese sich entweder gar nicht mehr an die Situation erinnern oder diese gar nicht so wahrgenommen haben.

Die ganze Rum Wühlerei  in der Nacht war also völlig vergebens….

Vor allem Frauen neigen dazu, sich viel zu viele Gedanken um solche kleinen Sorgen zu machen, nehmen Umwege in Kauf, nur um diesen Leuten ja nicht zu begegnen und lassen sich so den Tag vermiesen.

Da sind Männer in der Regel einfacher gestrickt, schliessen ihre „Sorgen-Schubladen“, sagen sich, morgen ist auch noch ein Tag, ändern kann ich jetzt ja sowieso nichts, also kann ich genauso gut schlafen.

Es sind allerdings nicht nur wir Menschen, die öfters mit einem schlechten Gewissen herumschleichen. Mancher Haustierbesitzer hat es wohl schon mal erlebt, dass der Hund oder die Katze zu Hause in aller Unschuld schön brav auf ihrem Kissen liegt, obwohl sie sonst nie da liegt. Kommt man ins Bad, und die WC-Rolle wieder mal völlig verheddert auf dem Boden vorfindet oder das Kissen in Einzelteile zerlegt oder Schuhe verschleppt wurden, dann schauen einem garantiert ein Paar wunderschöne unschuldige Augen an, wohl wissend dass sie das nicht machen sollten…

Wir machen uns allerdings mit unserem schlechten Gewissen immer wieder das Leben schwer, machen uns Druck und Stress, weil wir glauben, immer perfekt funktionieren zu müssen.

Erwischt uns mal die Grippe, machen wir uns, sobald es nur ein bisschen besser geht, Sorgen, wer denn nun für uns einspringen musste, was die Kollegen denn nun von uns denken, und ob alles gut läuft.

Es gibt natürlich auch Diejenigen, die solche Gedanken nicht kennen. Sie kurieren ihre Erkrankung aus, gehen danach wieder arbeiten ohne sich überhaupt mit solchen Gedanken zu befassen. Leider gehöre ich auch zu den ersteren, und bewundere die andern…

Vor allem chronisch Schmerzkranke machen sich immer viel zu viele Sorgen, haben oftmals das Gefühl, dass ohne sie gar nichts geht, nehmen Schmerztabletten, um arbeiten zu können, und haben öfters ein schlechtes Gewissen als ihnen gut tut.

Durch die vielen Gedanken entsteht allerdings Druck und Stress, den man sich selber macht. Die Folgen sind dann immer neue Symptome wie Schlafstörungen, Verdauungsstörungen und, und, und…das kennen wohl die meisten Betroffenen.

Allerdings erreicht man damit nur, dass irgendwann gar nichts mehr geht. Dann muss man auch plötzlich feststellen, dass der Chef, der bis jetzt immer nur voller Lobes war, der erste ist, den es nicht interessiert wies einem geht oder sich mal nach dem Zustand erkunden würde. Meine Erfahrung zeigt auch, dass die Kollegen sich ebenso verhalten, es sind sehr wenige die mal nachfragen oder vorbeikommen.

Viele Betroffene sind Meister im Verschleiern. So kommt es oft vor, dass die andern gar nicht gemerkt haben, unter welchen Bedingungen man seit Monaten arbeitet, dass man sich nur noch mit Schmerztabletten durch den Tag quält und irgendwie funktioniert. Das musste auch ich erleben. Die Kolleginnen fielen aus allen Wolken, als ich später mal erwähnte, dass ich seit Monaten nur noch mit Medikamenten überhaupt in der Lage war zu arbeiten und vor lauter schlechten Gewissen ihnen gegenüber immer weitergemacht habe, bis dann plötzlich gar nichts mehr ging.

Daraus habe ich allerdings gelernt, dass das A und O zur Vermeidung des schlechten Gewissens, die Kommunikation ist.

Etwas, das sich heute leider nur noch sehr wenige Menschen getrauen.

Auch das ist eher wieder ein Problem der Frauen: durch die oftmals Dreifachbelastung von Haushalt, Kinder und Arbeit können wir uns nicht eingestehen, dass es nicht mehr geht.

„Die Kinder sollen doch nicht darunter leiden dass ich arbeiten gehe, und mein Mann ist sich so gewohnt, dass ich den Haushalt selber regle, da kann ich doch jetzt nicht plötzlich von ihm erwarten dass er mir hilft“

Spricht man dann endlich mal darüber, bevor der ganze Haussegen schiefhängt, muss man feststellen, dass aber genau das so funktioniert hätte…und der eigene Ehemann es nicht gemerkt hat, unter welchem Druck man gestanden hat und wie viele Medikamente man inzwischen nimmt…

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Es ist also auf jeden Fall den Versuch wert, über den eigenen Schatten zu springen und die Problematik anzusprechen...unserer Gesundheit zuliebe